Sylvia Canel: Auf dem richtigen Weg zur Bildungsrepublik

Sylvia Canel, Berichterstatterin für Schulpolitik der FDP-Bundestagsfraktion. (Bild: FDP-Bundestagsfraktion)
Die am Dienstag vorgestellte OECD-Vergleichsstudie PISA 2009 sieht deutliche Verbesserungen. Die Bildungschancen der Kinder werden aber noch immer stark durch ihre soziale Herkunft bestimmt. “Deutschland ist auf dem richtigen Weg hin zur Bildungsrepublik, auch wenn das Ziel noch weit ist”, erklärt die Berichterstatterin für Schulpolitik der FDP-Bundestagsfraktion, Sylvia Canel. Deutschland hat sich in der vierten Pisa-Studie der Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) leicht verbessert. In Mathematik und Naturwissenschaften liegen die deutschen Schüler inzwischen über dem Länderdurchschnitt. Beim Leseverständnis, dem Schwerpunkt der neuen Studie, erreichen unter 15-Jährigen das Mittelfeld.
Sylvia Canel lobt die signifikanten Verbesserungen. “Die Teilhabe wirklich aller sozialen Gruppen lässt jedoch zu wünschen übrig”, so die FDP-Bildungsexpertin. Dabei seien die Erfolgsrezepte für mehr soziale Beteiligung und Qualität hinlänglich bekannt, sie müssten nur konsequenter befolgt werden. Dazu gehörten neben dem Ausbau und der Qualitätssteigerung der frühkindlichen Bildung, der frühen Sprachförderung und einem nachfrageorientierten Ganztagsschulangebot auch eine Ausweitung des Handlungsspielraums für Bildungseinrichtungen. “Es reicht nicht aus, dass sich die Schulgesetze pro forma zur Eigenständigkeit bekennen, wenn dann anschließend jede Initiative mit einem Wust aus Paragraphen und Rechtsverordnungen erdrückt wird”, verlangt Canel. Vor allem benötige man “Freiheit und Stärke vor Ort”. Auch um den ständigen, von Oben herab verordneten, “unablässigen Experimenten engagierter Politiker zu entgehen, die unsere Schulen in einem Zustand der Hyperaktivität halten.”
Die Bildungspolitikerin der FDP-Bundestagsfraktion verweist darauf, dass die Bundesregierung in ihrer Arbeit einen klaren Schwerpunkt auf das Thema Bildung gesetzt hat. So seien etwa im Haushalt für die nächsten Jahre zwölf Milliarden Euro für die Bildung vorgesehen. “Hier sparen FDP und Union bewusst nicht”, so Canel.
Der Berichterstatter der FDP-Bundestagsfraktion für berufliche Qualifizierung, Heiner Kamp, macht deutlich, dass sich die PISA-Ergebnisse erst noch in der Ausbildungsrealität bewähren müssten. “Bisher sind die Verbesserungen bei den ausbildenden Unternehmen nicht angekommen. Noch immer gibt es viele Betriebe, die keine geeigneten Auszubildenden finden”, so Kamp. Dies liege nicht nur an der fehlenden Klasse der Bewerber, sondern auch an der fehlenden Masse, da die Schulabbrecherquoten noch deutlich zu hoch seien.
Andererseits müsse die Zahl der jugendlichen Azubis mit Migrationshintergrund gesteigert werden, “Wer diese Potentiale verschenkt, verstärkt den Facharbeitermangel. Es klafft eine Lücke zwischen Schule und Ausbildung. Länder und Unternehmen sind aufgefordert mehr für den erfolgreichen Übergang zwischen Schule und Ausbildung zu tun”, so Kamp. Er verweist darauf, dass einige große Unternehmen mittlerweile reagiert hätten und eigene Förderprogramme für nicht ausbildungsreife Jugendliche auflegten. “Es darf allerdings nicht sein, dass Unternehmen staatliche Kernaufgaben übernehmen Schulen müssen erfolgreicher darin werden, die Grundlage für eine erfolgreiche Bildungskarriere zu legen.”
